diese Woche habe ich mich etwas schwer getan, ein Thema für dieses Editorial zu
finden:
Schreibe ich etwas über die gemeine Winselratte, auch Jimmykus Hartwigus
genannt, die immer dann aus ihrem Loch an das Tageslicht kriecht, wenn eine andere
Nagerart, die Boulevardpresse, auch Bildus Expressus genannt, mit Scheinchen
wedelt, um andere, nachdem sie ihnen schon den Arbeitsplatz genommen haben, nun
auch noch persönlich zu ruinieren? Oder, wie mir unsere Newsredakteurin geraten
hat, über die geclonten Schweinemenschen, die als menschliches Ersatzteillager
herhalten sollten oder, oder ... Themen gibt es genug. Aber welches kommt meinem
missionarischen Eifer am nächsten? Denn ich will euch ja schließlich nicht nur
brandaktuelle Spielehilfen geben, sondern auch ein Freund sein, der keinen seiner
Kameraden (und -innen) schutzlos der bösen Gesellschaft ausliefert.
Die meisten von euch gehen sicher - wie ich auch - am 7. November zur Wahl.
Jedenfalls glaube ich als Amerikaner das, denn schliesslich sind wir das wichtigste
Volk der Erde, also müssen auch alle anderen den Präsidenten wählen. Und während
ich mich dann von meinem Penthouse in der New Yorker Upper East Side aus zum
Wahllokal fahren lasse, werde ich mir dann so meine Gedanken machen, wem der beiden
Kandidaten ich meine Stimme gebe.
Und je länger mein Cadillac die Avenue hinunterfährt, desto mehr wird mir der
ganze Schlamassel erst richtig klar. Haben wird denn überhaupt noch eine Wahl oder
werden wir von der Gesellschaft und ihren handelnden Personen und Institutionen
manipuliert und wird uns so in der Kabine die Hand geführt? Was steht denn zur
Wahl?
Beide in Frage kommenden Politiker versprechen eigentlich genau dasselbe, ob das
nun Sinn macht oder nicht. Sie wollen die Arbeitslosigkeit senken und gleichzeitig
die Unternehmen stärker machen. Sie wollen die Kriminalität auf den Straßen
senken und gleichzeitig die Waffengesetze nicht verändern. Sie reden ebenso gern
auf der Jahresvollversammlung der anonymen Alkoholiker wie auf der Jahreshaupt-
versammlung der hefeverarbeitenden Industrie. Und sie sind selbstverständlich dafür
dass die Familie gestärkt wird, dass man regelmäßig in die Kirche geht und sie sind
sogar in der Lage ihre Frauen auf einer Bühne in aller Öffentlichkeit zu küssen.
Sie haben beide der schlimmsten Bande von Verbrechern den Kampf angesagt: den
Rauchern und sehen natürlich ethnische Minderheiten, seien es nun Chinesen,
Mongolen oder Russen als vollwertige US-Bürger.
Um ihre Message besser unter das Volk zu bringen reisen sie seit Jahren zu Land,
Wasser und Luft durch das Land und reden in jedem Kaff, dass die Staatenkarte
hergibt. Sie reisen mit einem Jubelstab umher und es kommt nicht selten vor, dass
sich mehr Leute im Tross des Kandidaten befinden, als vor der Bühne, so geschehen
in Weasleburgh, Illinois. Dort waren sage und schreibe drei Leute im Publikum und
von denen warteten auch noch zwei auf die im Anschluss stattfindende Geflügelauktion.
Irgendwann kommt es dann zu den drei Fernsehdiskussionen der beiden Spitzenkandidaten,
bei denen sich beide Präsidenten in spe dann absolut gleich verhalten. Sie lassen
die Frage des Interviewers auf sich wirken, atmen einmal tief durch und sagen dann
nur, dass sie es auf jeden Fall anders machen wollen als ihr Gegenüber, was auch
immer das sein. Zum Schluß erklären sich beide dann zum Sieger, küssen ihre Frauenss
und werden von ihren Wahlkampfmanagerinnen von der Bühne geführt.
Also was wählen? Den verkalkten oder den dummen? Keine Ahnung, aber vor dem Wahllokal
stehen ja noch einmal Wahlhelfer, mal sehen wer die netteren Sticker hat, den wähle
ich dann.
I love it.
Euer Bernd
PS. (Anmerkung von Dr. H.Ummel, Chefjustitiar von DLH Worldwide Inc.): Bitte nehmen
Sie nicht alles so wörtlich, was oben gesprochen wurde. Bernd befindet sich z.Zt.
auf einer speziellen Kur. Sollte ihr Zimmer keine Ecken haben und die Wände sind
gepolstert, dann klopfen sie doch mal an die Wand, Bernd sitzt vermutlich nebenan.